Treffpunkt Digitalisierung Stuttgart

Treffpunkt Digitalisierung am 4. Juli 2018 in Stuttgart

(Stuttgart, 9.7.2018) Am 4. Juli 2018 fand bereits zum zweiten Mal der Treffpunkt Digitalisierung in Stuttgart statt. Die Nationale Kontakt- & Koordinierungsstelle »Industrie 4.0-Testumgebungen für KMU – I4KMU«lud Vertreter von kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie von renommierten Forschungseinrichtungen ein, um sich miteinander auszutauschen und zu vernetzen. Das Rahmenprogramm bildeten spannende Vorträge und Diskussionsrunden sowie Ausstellungsstände der Forschungseinrichtungen.

Die digitale Transformation in Deutschland

Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, Leiter des IFF der Uni Stuttgart und des Fraunhofer IPA, leitete den Tag mit einer Keynote zum Thema digitale Transformation ein. Zunächst präsentierte er die Entwicklungsstufen der digitalen Transformation, um anschließend mehr auf die damit verbundenen Herausforderungen in Deutschland einzugehen. In Deutschland gebe es zwar viele erfolgreiche Forscher, im Gegensatz zu den USA und China scheitert es jedoch oftmals an der Umsetzung der Erkenntnisse. Herausforderungen sind hierbei sowohl die niedrige Finanzierungsfreude als auch die eher risikoaverse Kultur in Deutschland. Prof. Dr.-Ing. Bauernhansl erinnert an die Gesetze von Moore und Metcalfe und ruft die deutschen Unternehmen zu mehr Zusammenarbeit und einer Nutzung wertvoller Daten, welche es nur in Deutschland gibt, auf.

»Wissen ist die einzige Ressource, die sich vermehrt wenn man sie teilt.«

Als weitere Chance für deutsche Unternehmen sieht Prof. Dr.-Ing. Bauernhansl deren Kompetenzen in der vertikalen Integration. Diese beinhaltet beispielsweise die Themen Cloud Picking und Navigation, sowie Machine Learning. Langfristing benötigen deutsche Unternehmen eine Vision und müssen herausfinden, welche großen wissenschaftlichen Fragestellungen sie angehen können, um die digitale Transformation voranzubringen und mit den Vorreitern aus den USA und China mitzuhalten.

I4KMU –Schnelle und schlanke I 4.0-Förderung

Anschließend präsentierte David Görzig von der Kontakt- und Koordinierungsstelle I4KMU die Fördermaßnahme »Industrie 4.0-Testumgebungen – Mobilisierung von KMU für Industrie 4.0 »Industrie 4.0-Testumgebungen – Mobilisierung von KMU für Industrie 4.0« und erläuterte hierbei die wichtigsten Voraussetzungen und den Ablauf der Antragstellung. Um den Teilnehmer einen praxisnahen Einblick in die Fördermaßnahe zu geben, wurden darüber hinaus mehrere erfolgreich geförderte Forschungsprojekte präsentiert.

Der Geschäftsführer der EINS Gmbh, Dr. Jan Schloen, stellte das Projekt Projekt SmartTool++ vor, in welchem Track & Trace im Werkzeugkreislauf sowie die Kopplung mit Werkzeugmaschinen erprobt und umgesetzt wurden. In der Testumgebung Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen Darmstand standen ein vernetzter Werkzeugkreislauf und Zugang zu OPC-UA zur Verfügung, sodass Track & Trace Daten generiert und verschiedene Track & Trace Stationen aufgebaut werden konnten. Dr. Jan Schloen lobte die unproblematische und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Testumgebung sowie die schnelle Bearbeitungszeit und die flexible Gestaltung des Projekts. Als schwierig empfand er die Einschätzung des Projektaufwands im Voraus. Aufgrund der Möglichkeit eines Remote Zugriffs mussten die Projektbeteiligten seltener zur Testumgebung fahren als zuvor erwartet.

Im Anschluss wurde das Projekt osl4.0 der IMACS GmbH in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA präsentiert. Ziel des Projekts war die Entwicklung einer offenen, modularen Plattform, die eine unkomplizierte Anbindung von Bestandsmaschinen an Industrie 4.0 erlaubt. Die Vision bestand darin, dass auch fachfremde Arbeitskräfte Maschinen genauso schnell anbinden können wie ein USB Gerät, um Zeit- und Kostenvorteile zu erzielen. Gelobt wurden die reibungslose Antragstellung, da bereits zuvor Kontakt bestand, sowie vorhandene Kenntnisse der Maschinenbaubranche und die progressive Herangehensweise der Testumgebung. Das Antragsverfahren wurde aufgrund der zwei Stufen als relativ aufwändig und lang empfunden.

Prof. Dr.-Ing. Axel Sikora, Wissenschaftlicher Leiter ivESKHochschule Offenburg, präsentierte mehrere Projekte, darunter das Projekt Smart Waste des Unternehmens Binando. Im Rahmen dieses Projekts wurden intelligente Mülltonnen entwickelt, deren Füllstände automatisch an die Dienstleiter übermittelt werden, sodass diese ihre Routen optimieren und Kosten einsparen können. Gelobt wurden die hohe Erfolgsquote der Forschungsprojekte sowie die recht kurze Bearbeitungszeit beim Projektträger.

Gelungener Austausch zwischen KMU und Testumgebungen

Während der Pausen konnten die KMU sich mit den Testumgebungen über mögliche Forschungsprojekte austauschen und bei der Kontakt- und Koordinierungsstelle I4KMU über die Rahmenbedingungen der Fördermaßnahme informieren. Am Nachmittag standen Diskussionen über aktuelle Themen im Vordergrund. Dr.-Ing. Till Riedel Wierse eröffnete durch seinen Vortrag das Thema Smart Data für KMU. Das Smart Data Solution Center möchte die Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft schlagen, um einen Wissenstransfer zu ermöglichen. Deshalb wurde rege diskutiert, wo die Teilnehmer Chancen für Smart Data Analytics sehen und woran die Nutzung von Daten in der Praxis noch scheitert. Die Teilnehmer merkten an, dass momentan noch der Gesamtblick und das Know-How fehlen. Den KMU muss noch deutlicher vermittelt werden, wie sie an die benötigen Daten gelangen und was sie durch die Analyse dieser gesammelten Daten erreichen können. Weitere Diskussionen fanden zu den Themen Engineering im Kontext des Industrial Internet of Things und Strategieorientierte Geschäftsmodellentwicklung statt. 

 

Treffpunkt Digitalisierung

 

Die Teilnehmer konnten von der Netzwerkveranstaltung viele neue Kontakte und Impulse mitnehmen. Die Forschungseinrichtungen haben durch die Diskussionen einen Einblick bekommen, vor welchen Herausforderungen KMU in der Praxis stehen und die KMU haben im Gegenzug tiefergehendes Wissen zum Thema Industrie 4.0 und der Fördermaßnahme erlangt, sodass sie nun bei Interesse selbst ein Digitalisierungsprojekt in ihrem Unternehmen angehen können.